Wohin sollte ich als Nächstes expandieren?

Am einfachsten sind die naheliegenden Märkte. Auch wenn Sie nicht bereits aktiv in anderen Ländern verkaufen, verzeichnen Sie vielleicht bereits Bestellungen aus dem Ausland (vorausgesetzt, Ihre Preise inklusive Versand sind wettbewerbsfähig).

Der offensichtliche nächste Schritt sind die anderen europäischen Marktplätze. Die Sprachbarrieren lassen sich dadurch zwar nicht beseitigen, doch die offenen Grenzen der EU vereinfachen die logistischen Aspekte des internationalen Handels und helfen Verkäufern, ihre Produkte auf einer Reihe gut etablierter Marktplätze anzubieten. Das Problem besteht bei diesen Märkten jedoch darin, dass es für neue Verkäufer häufig eine mühselige Aufgabe ist, sich mit ihren Produkten in diesem wettbewerbsintensiven Feld zu behaupten.

Eine Alternative für Händler, die international expandieren wollen (sei es zum ersten Mal oder um ein bereits erfolgreiches internationales Projekt fortzuführen) sind weniger gesättigte, aufstrebende Marktplätze. Zwei gute Beispiele sind Mexiko und Japan. In beiden Ländern gibt es mittlerweile mehrere unterschiedliche Marktplätze, darunter auch das neueste Mitglied der wachsenden internationalen Amazon-Familie – Amazon Mexico.

Mexiko

Während wir an diesem Artikel schreiben, sieht Amazon Mexico noch seinem ersten Geburtstag entgegen. Der Marktplatz kann jedoch bereits auf einen der erfolgreichsten internationalen Starts zurückblicken. Damit können Sie Amazon in ein gut recherchiertes Zielland folgen, in das schon viel an Marketing-Maßnahmen investiert wurde. Sie haben die Möglichkeit, einer der ‚frühen Vögel‘ zu sein und in einer neuen Region den sprichwörtlichen Wurm zu fangen.

Der Wettbewerb ist mit hoher Wahrscheinlichkeit geringer und Sie haben die Chance, von der indirekten Vermarktung über Amazon zu profitieren (mit dem Ziel, mehr Kunden zu der neuen Website zu führen), die vermutlich intensiver ist als in anderen Ländern mit besser etablierten Märkten. Beachtung verdient auch, dass Verkäuferfeedback für Kunden in Mexiko derzeit weniger ins Gewicht fallen dürfte, da die meisten Accounts sich noch im Anfangsstadium befinden und bis jetzt nur wenig Feedback haben.

Alle diese Faktoren zusammen bedeuten, dass Sie sich relativ schnell einen guten Ruf erarbeiten können, um sich dann bereits in der oberen Riege der Verkäufer zu befinden, wenn mit der Zeit weitere Händler dem Trend folgen und beginnen, nach Mexiko zu verkaufen.

Vorsicht Falle:

Vielleicht wurden Ihre Angebote bereits ins Spanische übersetzt. Es ist dennoch wichtig, dass Sie sie lokalisieren lassen, da es beträchtliche Unterschiede zwischen europäischem und mexikanischem Spanisch gibt!

Japan

Wenn Japan als potentielles Zielland angesprochen wird, kommen oft erhebliche Bedenken zum Vorschein, insbesondere in Hinsicht auf die großen Unterschiede in Kultur und Sprache und die daraus entstehenden Hindernisse. Wie auch bei anderen asiatischen Marktplätzen zu beobachten ist, scheuen japanische Kunden oft keine Mühe, um an Produkte zu gelangen, die außerhalb Japans hergestellt wurden – dabei geben sie Artikeln aus Europa oder den USA den Vorzug gegenüber Produkten, die ihren Ursprungsort näher ihrer Heimat haben. Aus diesem Grund genießt Amazon Japan großen Erfolg und stellt eine ideale Möglichkeit für westliche Händler dar, um neue Kunden in Fernost zu erreichen.

Einige Händler gestehen Amazon Japan lediglich sekundäre Bedeutung zu und konzentrieren sich voll und ganz auf China, wenn sie eine Expansion nach Asien anstreben. Dabei beachten sie nicht, dass das BIP pro Kopf in Japan mehr als das Doppelte von dem in China beträgt (International Monetary Fund, 2013).

Diese wirtschaftliche Stärke ergibt ein attraktives Ziel in Verbindung mit der Tatsache, dass japanische Marktplätze (darunter die Rakuten-Plattform Ichiba, Amazon Japan und andere vielversprechende Neulinge) es westlichen Händlern im Vergleich mit ihren chinesischen Pendants deutlich leichter machen, mit dem Verkauf zu beginnen. Es lohnt sich, Japan als Expansionsziel für Ihr nächstes Projekt in Betracht zu ziehen. Das Potential dieses E-Commerce-Marktes sollte nicht unterschätzt werden.

Vorsicht Falle:

Gegebenenfalls sollten Sie japanische Designer engagieren, um ansprechende Anzeigen zu erstellen und so die Aufmerksamkeit potentieller Kunden auf Ihre Produkte zu lenken. Die Erwartungen japanischer Verbraucher an Werbemaßnahmen unterscheiden sich grundlegend von denen westlicher Kunden. Sie sollten sich also darauf einstellen, große Mengen an Text und grafischen Darstellungen für Ihre Produkte zu erstellen!

Wohin als Nächstes?

China ist natürlich nach wie vor ein attraktives Expansionsziel. Später in dieser Serie werden wir ausführlicher darauf eingehen, wie der chinesische E-Commerce-Markt am besten erschlossen werden kann. Im nächsten Artikel werden wir uns jedoch auf die vielen Gesichter des Onlinehandels in einem unserer Nachbarländer konzentrieren – vive la France!